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UltraRunners-Laufberichte
Frankfurt Marathon, Oktober 2009
Von Claudia Kümper
Für diesen Marathon hatten wir uns schon Monate vorher angemeldet. Wir das heißt Fabian und ich, denn seit seinem erfolgreichen Halbmarathon im Juni war es Fabians Ziel, einmal die gesamte Marathondistanz zu laufen. Vom Frankfurt Marathon hatte ich schon viel gehört, vor allem von dem grandiosen Einlauf in die Festhalle.
Die Vorbereitung auf diesen Marathon verlief alles andere als optimal. Fabian hatte ein riesiges Vertrauen in seine Fitness durch regelmäßiges Fußball-Training verbunden mit dem guten Gefühl, den Halbmarathon ohne Probleme geschafft zu haben, sodass er während der Sommerferien komplett aufs Laufen verzichtete und einfach nur Urlaub machte. Ich bin während unseres zweiwöchigen Südfrankreichurlaubs ebenfalls nicht gelaufen und habe ansonsten überwiegend am Schreibtisch gesessen und für meine immer näher rückende Prüfung gelernt. Wenn ich das Gefühl hatte, dass mein Kopf dringend eine Pause braucht, habe ich die Laufschuhe geschnürt und mich erst einmal frei gelaufen, aber viel mehr als 40 km pro Woche kamen dabei nicht heraus. Oft konnte ich Fabian animieren, die 18-km-Strecke (das heißt von uns aus zum Eidersperrwerk und zurück) mit zu laufen und musste feststellen, dass er durch die lange Sommerpause ganz schön aus der Übung gekommen war. Vor allem klagte er zu Beginn des erneuten Lauftrainings über Knieschmerzen, die ihn zur verfrühten Umkehr zwangen und nur langsam eine Steigerung zuließen. Letztendlich kamen wir nicht über 20 km am Stück hinaus, waren also weit entfernt von den „langen Läufen“, die in jedem Trainingsplan erwähnt werden. Mir kamen ernsthafte Zweifel, ob Fabian den Marathon überhaupt schaffen könnte, aber er war zuversichtlich.
So gingen wir 10 Tage nach Fabians 18. Geburtstag in Frankfurt an den Start. Unsere Stimmung war gut, das Wetter ebenfalls und die tolle Einstimmung vom Vortag mit dem Besuch der Marathonmesse (inklusive einiger Einkäufe), der Pastaparty an den langen Tafeln in der Festhalle, das abendliche Sportics-Treffen, bei dem wir neben netten Menschen auch eine gemütliche Frankfurter Kneipe kennen lernten, wirkte noch nach. Zu unserer Freude hatte Annika sich - nach einer durchwachten Nacht im Zug! morgens mit uns getroffen, um die Stimmung auf Fotos festzuhalten und uns an verabredeten Streckenpunkten anzufeuern. Mit einem extra für diesen Zweck ausgeliehenen leuchtend-orangefarbenen Kinderregenschirm war sie weithin zu sehen.
Als angestrebte Zielzeit hatten wir bei der Anmeldung 4:25 h angegeben und so orientierten wir uns nach dem Start zügig an den Zugläufern mit den 4:30er Luftballons. Zwar hatten Fabian und ich uns immer wieder gegenseitig versichert, dass es nur darum ging, überhaupt bis zum Ende durchzuhalten, aber so ganz insgeheim hatten wir dabei beide unsere „Wunschzielzeit“ nicht vergessen. Während ich noch Sorge hatte, dass wir zu schnell ins Rennen gehen könnten, hatte Fabian die Luftballonläufer schon überholt und baute einen Vorsprung aus. Ich hatte das Gefühl, dass die ersten Kilometer scheinbar dahinflogen, so locker kamen wir voran. Es war schön, die Menschen und Musikgruppen am Straßenrand zu erleben, die beeindruckende Frankfurter Skyline zu sehen, Kinder abzuklatschen und persönlich angefeuert zu werden von Fremden und insbesondere natürlich von Annika. Auch Fabian schien den Lauf zu genießen und wir passierten eine Verpflegungsstelle nach der anderen ohne über Gehpausen nachzudenken. Als wir die Halbmarathonmarke hinter uns gelassen hatten und Fabian immer noch locker lief, musste ich mir eingestehen, dass ich ihn wohl doch unterschätzt hatte. Vor der langen Mainzer Landstraße bereitete ich Fabian schon mal auf die Begegnung mit dem „Hammermann“ vor, die auf diesen Kilometern womöglich zu erwarten war, aber er lief diese wenig abwechslungsreiche Strecke stur durch und meinte, dass es gar nicht so schlimm sei. Bei Kilometer 35 erwartete uns wieder Annika, und das tat zu diesem Zeitpunkt richtig gut. Wir hatten schon deutlich im Tempo nachgelassen und die Muskeln waren schwer, da konnten wir jede Motivation gebrauchen. Nun begannen wir auch, an den Verpflegungsstellen einige Schritte zu gehen, um in Ruhe zu trinken und ein wenig Kraft zu schöpfen. Um uns herum sahen wir immer mehr Läufer gehen und ich versuchte Fabian damit zu motivieren, dass unser gefühltes Schneckentempo immer noch schneller war als das so mancher Mitstreiter. Aber auch meine gelegentlichen Bemerkungen, dass es jetzt „nur“ noch 5 oder 3 Kilometer bis zum Ziel seien, konnten ihn nicht wirklich fröhlich stimmen. Wir wurden unterwegs von Läufern angesprochen, die uns als Mutter und Sohn identifiziert hatten und unseren gemeinsamen Marathon bemerkenswert fanden. Solche Anerkennung war ein guter Motivationsschub. Eine Zeitlang begleitete uns auch ein Jugendlicher, der - um sich abzulenken - einen Gesprächspartner suchte und sich mit Fabian unterhielt. Wir konnten ihn eine ganze Weile bei uns „halten“, ehe er sich verabschiedete, um die Strecke im Gehen fortzusetzen. Zwei Kilometer vor dem Ziel sahen wir, wie ein Läufer in einen Krankenwagen geschoben wurde, was uns für ihn natürlich ausgesprochen Leid tat so kurz vor dem Ziel! Kurz darauf meinte Fabian, dass er das Gefühl hätte, für den nächsten Krankenwagen reif zu sein (sollte das ein Scherz sein?). Vorsichtshalber legten wir eine Gehpause bis zur 41-km-Markierung, die wir in der Ferne sahen, ein. Auf dem letzten Kilometer mobilisierten wir noch einmal alle Kräfte, sahen schon von Weitem den Messeturm, das Starttor, durch das wir am Anfang gelaufen waren, und schließlich den Eingang in die Messehalle. Jetzt war alle Anspannung vergessen und wir konnten den Lauf über den roten Teppich jubelnd genießen.
Mit 4:24:58 h hatte ich eine persönliche Bestzeit erreicht, Fabian war mit 4:24:57 sogar noch einen Tick schneller (19. seiner Altersklasse) und wir hatten unsere avisierte Zielzeit (allen Zweifeln zum Trotz) auf dem Punkt erreicht.
Draußen im Zielbereich erwarteten uns Iris, Oliver und Frank, die ihre Rennen schon längst hinter sich gebracht hatten und nun in Wärmefolien eingehüllt die Zielverpflegung testeten. Schnell holte ich mir auch ein Bier, auf das ich mich schon sehr gefreut hatte. Fabian ließ sich derweil die Nussmischung gut schmecken. Annika stand nur wenige Meter von uns entfernt vor der Absperrung und nahm von dort aus an unseren Gesprächen teil.
Mit unseren Medaillen behängt und verschwitzt wie wir waren fuhren wir nach Neuwied, um Lenas Geburtstag zu feiern und den Tag in fröhlicher Runde ausklingen zu lassen.
Dieser Marathon war für mich ein ganz besonderer. Zum einen ist es ein einmaliges Gefühl, den eigenen Sohn auf seinem ersten Marathon begleiten zu dürfen und gemeinsam über die Ziellinie zu laufen, zum anderen fiel mir erst nach dem Lauf auf, dass ich unterwegs überhaupt keine Gedanken an eigene Befindlichkeiten verschwendet hatte (dafür umso mehr Fabian im Blick hatte) und fast überrascht war, als wir uns dem Ziel näherten und es mir immer noch gut ging. Ein ähnliches Gefühl hatte ich bisher nur bei meinem ersten Marathon in Berlin erlebt.
Unser nächstes gemeinsames Ziel ist der Mainz-Marathon im Mai 2010; dann will auch Svende ihren ersten Halbmarathon laufen. Ich freue mich schon darauf!
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