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UltraRunners-Laufberichte

Frankfurt Marathon, 31. Oktober 2010

Von Claudia Kümper

Zum zweiten Mal in Frankfurt – schöne Erinnerungen an den Lauf im Vorjahr (Fabians Premiere und meine persönliche Bestzeit), auch in diesem Jahr wieder verbunden mit einem Familientreffen und der Wiedersehensfreude, traumhaftes Wetter und die heimliche Hoffnung auf eine erneute Bestzeit – mit so vielen positiven Gedanken gingen wir an den Start. Für Fabian war es der dritte Marathon, für mich der zehnte (Jubiläum!). Frank hatte sich entschlossen, bei diesem Marathon keine Jagd auf Bestzeiten zu machen, sondern uns als Pacer zu unterstützen. Das war ein Superangebot, und so beschlossen Fabian und ich, eine Zielzeit von 4:15 Stunden ins Auge zu fassen.

Den halben Samstag verbrachten wir auf der Marathonmesse, genossen die vielfältigen Angebote, tätigten ein paar Schnäppchen-Einkäufe und saßen anschließend in einer größeren Gruppe bei Pasta und Getränken in der Festhalle, sahen Filmabschnitte von vergangenen Marathonläufen auf der Großbildleinwand und freuten uns auf unseren persönlichen Zieleinlauf am Sonntag. Ich staunte immer wieder, wie viele Menschen sich hier offensichtlich persönlich kannten und freudig begrüßten.

Am Sonntagmorgen weckte uns neben dem Wecker prasselnder Regen (Parallelen zum letzten Mainz Marathon ließen sich nicht ganz wegdenken), aber wir vertrauten auf die Wettervorhersage und sollten nicht enttäuscht werden: Kurz vor Frankfurt riss der Himmel auf und es versprach ein herrlicher Tag zu werden. Nach unserer ersten Anlaufstelle bei Iris trafen wir uns am Hauptbahnhof mit Annika, die auch in diesem Jahr aus Mainz angereist war, um uns unterwegs an mehreren verabredeten Streckenpunkten lauthals zu unterstützen.

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Mit allen guten Wünschen (und nach einigen „Vorher“-Gruppenfotos) verabschiedeten wir uns an der Messehalle voneinander und begaben uns in aller Ruhe zur Startaufstellung. Zehn Minuten nach der Spitze überquerten wir die Ziellinie und bewegten uns in mehreren Runden durch die Innenstadt. Ich hatte mir im Vorfeld den Streckenverlauf eingeprägt und versuchte nun die Orientierung zu behalten und die markanten Punkte wieder zu erkennen. Im Gegensatz zum Vorjahr, in dem ich einfach der Menschenmenge folgte, hatte ich dieses Mal eine Vorstellung davon, wo ich mich gerade befand. Ich genoss die Innenstadt und das Publikum an der Alten Oper, die Brücke über den Main und die anschließenden Kilometer am Wasser entlang, freundlichen Zuspruch aus dem Publikum und jede Menge Musik unterwegs. Wir waren gut in der Zeit und überquerten die Halbmarathonmarke nach 2:03:27 Stunden. Wie im Vorjahr leuchtete kurz danach das lila Banner der ansässigen Kirchengemeinde quer über dem Weg: „... noch 21 km hoffen + beten“. Bald danach ging es erneut über den Main. Der Ausblick von der Schwanheimer Brücke auf die City mit ihrer modernen Hochhausarchitektur war fantastisch.

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Nur wenige Kilometer später in Höchst bekam ich Magen-Darm-Probleme (zu viel Powergel oder doch „nur“ Stress?) und stand erst einmal mehrere Minuten am Dixi-Häuschen an. Danach verzichtete ich komplett auf Gel, trank auch nur wenig, um den Magen nicht herauszufordern und hielt mich mit Traubenzucker über Wasser. Von da an war an lockeres Laufen nicht mehr zu denken und ich nahm Abschied von meiner Wunsch-Zielzeit. Ich musste mir eingestehen, dass ich im Sommer nicht ausreichend trainiert hatte und zudem vor zwei Wochen von einer Erkältung heimgesucht worden war. An der Unterführung in Nied wartete Annika – das war noch einmal ein Motivationsschub.

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Inzwischen befanden wir uns auf der langen Mainzer Landstraße. Fabian war immer noch erstaunlich fit, sodass ich jetzt die Entscheidung treffen musste, dass wir nicht zu dritt über die Ziellinie laufen würden, sondern ich zurück blieb. Eine kurze Verschnaufpause gönnte Fabian mir, als er sich auf der Strecke noch einmal zurückfallen ließ, um sich mit Joey Kelly, zu unterhalten, der einen blinden Läufer auf diesem Rennen begleitete. Zügig schloss er anschließend wieder zu uns auf und ich bat Frank, dass er Fabian ins Ziel begleiten sollte. Doch stattdessen instruierte Frank ihn, was er auf den folgenden Kilometern zu tun hätte und kam zu mir zurück.

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Gemeinsam bewältigten wir beide die letzten Kilometer, wobei Frank mich mächtig „zog“. Am Ende war ich wie im Tunnel und konnte mich selbst am Anblick des Messeturms nicht wirklich erfreuen. Erst in der Festhalle fiel alle Anspannung von mir ab und Frank und ich überquerten die Ziellinie Hand in Hand nach 4:17:50 Stunden. Draußen trafen wir auf Iris und Oliver, tauschten uns aus und griffen zur Zielverpflegung. Keiner hatte Fabian gesehen. Er war ohne genaue Zeitvorstellung über die Ziellinie gelaufen (die Uhren hatten Frank und ich getragen) und anschließend  zügig Richtung Dusche verschwunden. Da Fabian nur seine Bruttozeit kannte, war er gerade dabei sich seine Soforturkunde ausdrucken zu lassen, als er zum Glück auf Iris traf und wir uns auf diese Weise wiederfanden. Fabian ist den Marathon in 4:13:38 Stunden gelaufen und konnte damit seine persönliche Bestzeit über 11 Minuten verbessern.Unsere Wunsch-Zielzeit hatte er auf den letzten Kilometern noch locker überrundet! Ich selbst war erstaunt und erfreut über meine eigene Zielzeit, die trotz aller Widrigkeiten von den mutig angepeilten 4:15 Stunden gar nicht so weit entfernt und immer noch gut 7 Minuten schneller als vor einem Jahr war.

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In Neuwied ließen wir unseren erfolgreichen Lauftag bei Kaffee und Kuchen ausklingen, ehe Fabian und ich uns auf die Autobahn Richtung Norden begaben. Mit brummenden Muskeln und hohem Endorphinspiegel kamen wir hellwach um Mitternacht in Tönning an.