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Wettkampf als Geschichte...

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UltraRunners-Laufberichte

Dieser Weg wird kein leichter sein...

Ironman Germany, 01. Juli 2007
Von Bertram Vogt

Den Wunsch einmal beim Ironman zu starten habe ich bereits seit über 3 Jahren. Beeindruckt vom zuschauen am Fernsehen, vor Ort und von meiner Freundin (Finisherin 05 + 07) sind nach und nach alle Dämme gebrochen. Mir wurde klar ich muss dabei sein - und ich schaffe das auch!

Der Morgen
Dieser beginnt bereits um 3.50 Uhr. Trotz der Anspannung gelingt es mir, zwei Scheiben Brot mit Honig zu essen.
Auf dem Weg zum Shuttle-Bus empfängt mich eine milde und zum Glück trockene(!!) Luft. Vom Rebstockbad geht es mit dem Bus zum Langener Waldsee. Während der Fahrt unterhalte ich mich nur wenig mit meiner Freundin... Es gilt: Volle Konzentration auf den bevorstehenden Wettkampf.
Nach gut 20 Minuten kommen wir am See an. In der Wechselzone herrscht schon reger Betrieb. Ich nehme die Regenhülle vom Rad, deponiere Helm, Brille und Radschuhe und verstaue die Wettkampfverpflegung. Danach begrüße ich meinen Nebenmann und überbrücke die Zeit, bis zum Start mit endlosem Anstehen für einen Dixi-Klo-Besuch.

Dreißig Minuten vor dem Start, ziehe ich langsam den Neo an. Ich packe die letzten Sachen in meinen „After Race“ Beutel, ziehe die giftgrüne Badekappe sowie die Schwimmbrille auf und gehe zu dem LKW, an dem die Beutel entgegengenommen werden.
Anschließend hole ich meine Freundin von ihrem Wechselplatz ab. Gemeinsam gehen wir zum Schwimmeinstieg. Dort sehe ich die ganzen schwarzen Gestalten in ihren Neos und grünen Badekappen und denke mir, das gibt ja ein ziemliches Hauen und Stechen beim Schwimmen. Ein leichtes Unsicherheitsgefühl überkommt mich...
Ich gebe meiner Freundin einen Abschiedskuss und wünsche ihr viel Erfolg für das Rennen. Wir haben uns erst auf der Laufstrecke wiedergesehen.

Das Schwimmen
Die deutsche Nationalhymne erklingt. Ein wahrhaft erhebender Moment! Die letzten Sekunden werden heruntergezählt, dann knallt der Startschuss, ein Feuerwerk geht los und ca. 2300 Triathleten machen sich auf den Weg.
Zum Glück geht meine Strategie auf: Als mäßiger Schwimmer starte ich am linken hinteren Rand, um mich aus Einzelkämpfen herauszuhalten. Ich versuche meinen Rhythmus zu finden, gleichmäßig zu atmen und lange ruhige Züge zu schwimmen.
Die erste Wendeboje ist bald erreicht, der längste Streckenabschnitt steht nun bevor. Meine Strategie versuche ich beizubehalten, immer ganz links schwimmen. Ab und an werde ich von den Helferkajaks nach rechts gedrängt, weil ich links neben den gelben Bojen bin.
Vor dem ersten Landgang verdichtet sich das Feld ein wenig, aber noch immer habe ich  keine ernsthaften Prügel bezogen. Während dem Landgang sehe ich auf meine Uhr: 50 Minuten sind schon vergangen. Mist, denke ich mir, das wird sehr eng mit meiner Zielzeit von 1:15 Std...
Auf dem letzten Drittel der Strecke versuche ich noch ein wenig Gas zu geben, aber es bilden sich zunehmend höhere Wellen, die das Schwimmen erschweren.
Dann geht es aus dem See hinaus, den Hügel hoch zur Wechselzone 1.
Ich stoppe meine Zeit bei 1:26 Std. Mit Wut im Bauch über meine mäßige Schwimmzeit laufe ich zum Wechselplatz. Dort habe ich massive Probleme mein Triatop anzuziehen, immer wieder verdreht es sich durch die Nässe. Schnell noch die Schwimmsachen in Tüten verstauen und alles in die Kiste legen. Schuhe an, Brille und Helm aufsetzen und ganz wichtig: Startnummer anlegen. Dann geht es endlich auf die Radstrecke, meiner Lieblingsdisziplin.

Das Radfahren
Inzwischen sieht der Himmel richtig freundlich aus. Am Anfang versuche ich mit Wut im Bauch gleich Tempo zu machen und verlorene Minuten bzw. Platzierungen aufzuholen. Das gelingt mir auch ganz gut.
In Frankfurt geht es über den Main, an der Tribüne am Römer vorbei, Richtung Stadtauswärts, die Hanauer Landstrasse entlang. Eine elende Buckelpiste!

In Bergen-Enkheim ist der erste Anstieg "The Biest". Dort überhole ich einige Radfahrer, denn als „Bergziege“ liegt mir das Bergfahren einfach. Anschließend geht es erst mal erholsam bergab gen Maintal. In Hochstadt dann "The Hell" und ich muss gestehen, ich hasse Pflasterpassagen. Man wird durchgeschüttelt und hat ständig Angst um sein Rad.
Aus Wachenbuchen heraus steigt die Strecke zum Hühnerberg an. Mitten am Berg ruft mir ein Zuschauer zu: Du überholst sie alle noch. Ein wenig verlegen lache ich und trete in die Pedale.

Dann schlängelt sich die Strecke durch die Wetterau-Dörfer, es geht gut voran. Meist zeigt der Tacho über 33 km/h. Ich bin zufrieden!
Schon bald ist Bad Nauheim der nördlichste Punkt der Strecke erreicht, es geht über Friedberg und dann zurück nach Frankfurt. Davor noch der letzte Berg "Heartbreak Hill" in Bad Vilbel. Hier bilden die Zuschauer eine enge Gasse, wie bei der Tour de France. Einfach geil! Mit Gänsehaut fliege ich den Berg hoch - leider kann man hier nur sehr schlecht überholen.
Zurück in die Frankfurter Innenstadt rollt es locker, die erste Radrunde ist wie im Fluge vergangen.

Nun heißt es auf zur zweiten Runde.
Das ganze Spiel noch einmal. Mein Tacho zeigt noch immer ein erfreuliches Tempo, ohne das ich mich ganz verausgaben muss. Die gewählte Taktik scheint zu greifen: Keine 100 Prozent fahren, um noch genug Körner für das Laufen zu haben. Jede Versorgungsstelle (alle 20 km) ist eine Wegmarke, jedes Stimmungsnest (es gibt sehr viele – Danke an alle, die mich angefeuert haben!!) eine willkommene Abwechselung. Ab km 140 wird es hart, mein Gesäß schmerzt und die Finger der linken Hand sind taub. Bin im Training wohl zu selten ohne Radhandschuhe gefahren...
Von Friedberg nach Frankfurt frischt auch noch der Gegenwind auf. Aber was solls - es ist ja gleich vollbracht.
Nach knapp 5h 30min gebe ich mein Rad in der Wechselzone einem Helfer, dann geht es zügig zum Wechselzelt. Nun gilt es keine Zeit zu verlieren.

Das Laufen
Es geht hinaus auf die Laufstrecke, dort sehe ich zum ersten mal Tati und Frank, die mich lautstark anfeuern. Eine sehr große Hilfe!
Meine Taktik fürs Laufen: Marathon in vier Runden einteilen, das sind jeweils ca. 10,5 km, und Puls bei 150 Schlägen pro Minuten halten.
Die Stimmung am Streckenrand ist einfach unglaublich. Sie lässt einen förmlich über den Asphalt fliegen und die Strapazen vergessen.
Inzwischen hat es sich ein wenig bewölkt, genau das richtige Wetter zum laufen. Runde 1-3 absolviere ich ohne Probleme, an jeder Verpflegungsstation trinke ich und alle halbe Stunde nehme ich ein Power-Gel zu mir.
Ab km 30 schmerzen die Adduktoren des linken Beines. Ratlos stelle mir die Frage was kann ich dagegen tun, es sind ja noch 12 lange Kilometer bis zum Ziel!? Dann die rettende Idee: Eiswürfel in das Hosenbein kippen und weiter geht es. Somit waren die Schmerzen erträglich und wurden zum Glück nicht schlimmer.
Kurz vor der Ausgabe des vierten, heiß ersehnten und hart verdienten roten Bändchens sehe ich meine Freundin Iris. Sie ruft mir ein paar aufmunternde Worte zu. Es ist schön auf den letzen Kilometern ein wenig Abwechslung zu haben. Unterwegs motiviere ich mich selbst. Vor allem summe ich dabei das Lied von Xavier Naidoo: Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer....
Zum letzten Mal geht es am Deutschherrenufer entlang, Frank läuft neben mir her, muntert mich auf und ruft: Du schaffst es, die 11 Stundenmarke zu knacken! Jetzt bloß keinen Einbruch mehr erleiden, wie letztes Jahr beim FFM-Marathon...

Es geht am letzten Verpflegungsstand vorbei, durch die enge Gasse der Zuschauer. Nun darf ich die Laufstrecke verlassen. An der Tribüne entlang und endlich, endlich einschwenken in den Zielkanal. Die Menschen links und rechts teilen meine Freude. Es ist einfach der pure Wahnsinn! Ich klatsche Hände ab, schaue in strahlende Gesichter und laufe nach 10h 52 min und einem letzten Schlusssprint im Ziel ein.

Zum Schluss möchte ich mich bei meiner Freundin, Tati, Frank und allen Helfern bedanken, ohne sie gebe es keinen Ironman in dieser Form. Unser Pfarrer würde sagen: Ein herzliches vergelt`s Gott. Diesem schließe ich mich an.