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UltraRunners-Laufberichte

Porträt von Oliver Weis. Erschienen in der Rheinpfalz vom 06.05.2010

„Eine Art Meditation..."
Oliver Weis absolviert Läufe von über 100 Kilometern Länge
Von Eric Sayer

BRÜCKEN. Für viele Ausdauersportler ist es ein großes Ziel, einmal einen Marathon zu laufen. 42,19 Kilometer. Oliver Weis aus Brücken setzt sich da schon andere Ziele. Kürzlich hat er den 100-Meilenlauf „München-Innsbruck-Alpen-Ultra" hinter sich gebracht.

Für diese gewaltige Strecke mit mehr als 1300 Höhenmetern hat Weis 24 Stunden und 45 Minuten benötigt und ist dabei am Rande des körperlichen Zusammenbruchs gewesen. Warum tut man sich das an? Für den 40-jährigen Weis, der in Homburg arbeitet, sind diese Gewalttouren „eine Art Meditation". Seinen Körper, sein Innerstes, kennen zu lernen. Seine Grenzen mental wie körperlich zu erfahren. „Man lebt und erlebt intensiver", sagt der Ausdauersportler.

Weis läuft seit vielen Jahren. „Aber nie wirklich intensiv, etwa ein- bis zweimal die Woche zehn bis 15 Kilometer lange Touren", schränkt er ein. Erst seine Lebensgefährtin Iris Hadbawnik aus Kusel, eine ambitionierte Läuferin und Triathletin, hat ihn zu der intensiven Form des Laufsports gebracht. Die 160 Kilometer in den Alpen sollten für den Brücker der bislang härteste Wettkampf werden. Denn mehr als 57 Kilometer hat er bis dahin noch nie an einem Stück zurückgelegt. Für seine Vorbereitung auf die Alpen-Tortur hat er seit Januar knapp 900 Kilometer gelaufen, darunter die „50 Kilometer von Rodgau" und der „Bienwaldmarathon".

Morgens um 7 Uhr ertönte in München der Startschuss. Bei Kilometer 25 erreichten die Läufer den ersten Verpflegungspunkt auf dem Weg nach Bad Tölz. Zu kämpfen hatten die Läufer mit steigenden Temperaturen. In Bad Tölz, bei Kilometer 71, herrschten mehr als 20 Grad: „Deswegen kam ich fast mit dem Trinken und der Versorgung mit Salztabletten nicht mehr nach", erinnert sich Weis auch an seine Befürchtung, möglicherweise nicht genügend Mineralstoffe aufnehmen zu können.

Die nächste Zwischenetappe wurde nach Kilometer 85 an der Sylventalsperre erreicht. Dort gab es trockene Kleidung, Warnweste und Stirnlampe für die kommende Nacht. Mit Blasen an den Füßen ging es weiter in Richtung Innsbruck. Nach knapp 13 Stunden erreichte Weis zum ersten Mal in seinem Läuferleben die 100-Kilometer-Marke: „Da waren die Schmerzen an den Füßen fast vergessen." Und es ging auf Waldwegen und an Schneefeldern vorbei, hinein in die Alpen. Bei Kilometer 105 kam Weis am Achensee vorbei. In Jenbach lag noch ein Marathon vor ihm und dem Läuferfeld. Und der hatte es in sich. Lang, hart und öde sollte dieser Abschnitt werden.

Am letzten Verpflegungspunkt bei Kilometer 142 in Wattens erlebte Weis seinen mentalen Tiefpunkt: Schüttelfrost, gepaart mit einer „nie zuvor erlebten mentalen Krise", machten Weis schwer zu schaffen. Noch knapp 20 Kilometer mehr gehend als laufend ging es bei Sonnenaufgang Innsbruck entgegen. Nach schier nicht enden wollenden Kilometern entlang des Inns zeigten schließlich Markierungspfeile den Weg in die Innenstadt und zum Ziel. Noch einmal links abbiegen und das Goldene Dachl kam zum Vorschein. Überglücklich, stolz und mit unbeschreiblichen Glücksgefühlen überquerte Weis mit seiner Lebensgefährtin und einem Lauffreund Hand in Hand nach 24 Stunden und 45 Minuten die Ziellinie. 25 Teilnehmer hatten es geschafft.

Nach dieser Tortur will Weis in diesem Jahr noch den Rennsteiglauf in Eisenach (72 Kilometer, 1400 Höhenmeter) absolvieren, im Juni die deutsche Meisterschaft im 24-Stunden-Lauf in Rockenhausen, dann den Frankfurt-Marathon und eventuell in Köln dem Marathon die zehn Kilometer-Distanz und den Halbmarathon vorschalten. Und für 2011 steht schon der Baltic-Run - 325 Kilometer in fünf Tagen - im Terminplan.

Oliver Weis

Quelle Foto + Artikel: Eric Sayer, Rheinpfalz